Werner Vogt
14h00 Workshop 2. September 1999
Medizin in und nach dem Nationalsozialismus. Paradigmenwechsel oder Kontinuität?
Das Erscheinungsbild von Psychiatrie und Medizin läßt den Schluß zu, daß es eine unheilvolle Kontinuität nach 1945 gibt. Personelle und institutionelle Kontinuität. Kontinuität im Denken und Handeln. Es sind die falschen geblieben, die Vertriebenen an ihrer Rückkehr behindert worden. Es sind die militärischen Hausordnungen, die abhängigkeitserzeugenden hierarchischen Arbeitsbedingungen in Kliniken und Spitälern geblieben, ein karrieregeiler Forschungszwang ebenso, der Versuchsanordnungen selten im Einverstänndnis mit Patienten trifft. Es ist organfixiertes, biologistisches Denken in Diagnose und Theorapie geblieben. Biologismus, nicht Biologie, war aber stets die Basis von reaktionärem Verhalten, hat in der Geschichte stets wissenschaftliches Denken und soziales Verhalten behindert oder gar unmöglich gemacht. Die Kontinuität im falschen Denken ist verhängnisvoll und gefährlich.
Werner Vogt wurde 1939 in Zams/Landeck in Tirol geboren. Er ist als Unfallchirurg Oberarzt des Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhauses und einer der wesentlichsten Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft "Kritische Medizin". Seit ungeführ 30 Jahren erscheinen zahlreiche Publikationen von Vogt sowohl zu seinem Fachbereich als auch zu allgemeinen politischen Problemen. Z.B.: Arm Krank Tot. Argumente für ein gewaltloses Krankenhaus (Hrsg. von Michael Lewin). Wien Zürich 1989
Foto: C. Fischer