Heidemarie Uhl
10h15 Vortrag 1. September 1999
"Das erste Opfer" - Das österreichische Gedächtnis und seine Transformationen in der Zweiten Republik
Die Opfertheorie wird heute kritisch betrachtet - als strategisches Argument des offiziellen Österreich zur Verdrängung und Ausblendung der NS-Vergangenheit. In diesem Beitrag sollen die komplexen Verwendungszusammenhänge der Opfertheorie in der Zweiten Republik und ihre Auswirkungen auf den Umgang mit Opfern und "Tätern" sowie die Frage der Erosion dieses Erklärungsmodells im letzten Jahrzehnt diskutiert werden.
Heidemarie Uhl ist Historikerin an der Abteilung Zeitgeschichte und Mitarbeiterin des Spezialforschungsbereichs Moderne an der Universität Graz. 1996-98 erhielt sie das Charlotte-Bühler-Habilitationsstipendium des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF). Ihre Forschungsschwerpunkte sind Kultur und Gesellschaft in der Moderne sowie historische Identität Österreichs nach 1945.

Zu ihren zahlreichen einschlägigen Publikationen gehören: Zwischen Versöhnung und Verstörung. Eine Kontroverse um Österreichs historische Identität fünfzig Jahre nach dem Anschluß (1992); Todeszeichen. Zeitgeschichtliche Denkmalkultur in Graz und in der Steiermark vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart (hrsg. mit Stefan Riesenfellner 1994); "Der Krieg geht uns alle an. Wie gehen wir damit um?", Geschichtswerkstatt Graz 1997. Eine Dokumentation (hrsg. mit Hannes Grandits, Karin M. Schmidlechner, Andrea Strutz 1998); Kultur – Urbanität – Moderne. Differenzierungen der Moderne in Zentraleuropa um 1900 (hrsg. 1999); Steinernes Bewußtsein. Die öffentliche Repräsentation staatlicher und nationaler Identität Österreichs in seinen Denkmälern, Bd. 2. (hrsg. im Herbst 1999).