Tour 2 - Martha Keil, Hannah Helsch & Werner Hanak
17h30 Stadtrundgang 2. September 1999
Der zweite Wiener Gemeindebezirk, die "Mazzesinsel": Zentrum jüdischen Lebens von 1624 bis heute
Treffpunkt: Neues Institutsgebäude, Eingang Liebiggasse

Der zweite Bezirk ist seit dem Ghetto im Werd (1624-1671) der traditionelle Ort jüdischer Ansiedlung bis heute. Unser Rundgang führt über die Hollandstraße in einem großen Bogen zur Tempelgasse, auf den Spuren zerstörter Vitalität und der Suche nach heutigen Lebenszeichen.

Die Leopoldsstadt, der 2. Wiener Gemeindebezirk, ist seit dem Ghetto im Werd, das von 1624 bis zur Vertreibung von 1671 bestand, der traditionelle Ort jüdischer Ansiedlung. Vor allem in der Zwischenkriegszeit war er das pulsierende Zentrum vielfältiger jüdischer Kultur, doch auch heute zeugen wieder kulturelle und religiöse Einrichtungen von der Neubelebung der Wiener Gemeinde.
Der Zweite Bezirk ist nach wie vor zum großen Teil ein armer Bezirk. Attraktive Bauwerke gibt es kaum zu sehen. Die sechs großen, prächtigen Synagogen fielen der Zerstörung der NS-Zeit zum Opfer; wir können sie nur mehr auf Fotos betrachten und Gedenktafeln lesen. Unser Rundgang führt über die Hollandstraße in einem großen Bogen zur Tempelgasse, auf den Spuren zerstörter Vitalität und der Suche nach heutigen Lebenszeichen.
In der kleinen, engen Tempelgasse sind wie kaum an einem Ort Vergangenheit und Gegenwart ineinander verwoben: Im noch erhaltenen linken Trakt des einstmals monumentalen Leopoldstädter Tempels befindet sich die Mikwe der "Agudass Isroel". Auf dem Areal des zerstörten Hauptgebäudes wurde vor kurzem ein Verwaltungsgebäude der Kultusgebäude errichtet. Der Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion trägt das 1992 eröffnete sephardische Zentrum mit eigener Synagoge und Rabbinat Rechnung.

Dr. Martha Keil, Studium der Geschichte und Judaistik in Wien und Berlin, Ulpan in Israel. 1998 Promotion über die jüdische Gemeinde Wiener Neustadt im Spätmittelalter. Seit 1988 am Institut für Geschichte der Juden in Österreich, Mitarbeiterin von ARCHE. Forschungsschwerpunkte: Kultur- und Sozialgeschichte der Juden im Spätmittelalter, Projekt über die jüdische Frau im Spätmittelalter.

Publikationen: Studien zur Geschichte der Juden in Österreich Bd. 1 (hrsg. zusammen mit Klaus Lohrman Wien 1994) und Bd. 2 (hrsg. zusammen mit Eleonore Lappin Wien 1998) Die jüdische Familie in Geschichte und Gegenwart (hrsg. zuammen mit Sabine Hödl Wien 1999) sowie Aufsätze zur Kultur- und Sozialgeschichte der Juden im spätmittelalterlichen Österreich. Kuratorin der Ausstellung "… es gab so nette Leute dort." Jüdische St. Pöltner 1850-1984 (Nov. 98-Jan. 99); derzeit Forschungsprojekt zur jüdischen Frau im Spätmittelalter.

Hannah Helsch, geb. 6. 9. 1970 Pädagogin. Museumspädagogin im Jüdischen Museum mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendarbeit
Werner Hanak, geb. 1969, Studium der Theaterwissenschaften, Kurator am jüdischen Museum der Stadt Wien. Ausstellungen u.a.: "Papier ist doch weiß" Eine Spurensuche im Archiv des Jüdischen Museums der stadt Wien. R. B. Kitaj. Ein Amerikaner in Europa.