17h30 Stadtrundgang 2. September 1999
| Orte der Erinnerung an das jüdische Wien und seine Zerstörung |
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Treffpunkt: Eingang Neues Institutsgebäude, Universitätsstr. 7
Der Rundgang durch einen Teil des ersten Bezirks führt zu Orten, die einen Einblick in die Geschichte der Juden Wiens, wie auch die Zerstörung jüdischen Lebens 1938 - 45 sowie den Umgang des offiziellen Österreich danach in seinen verschiedenen Facetten geben.
Universität:
Hier wird der jüdische Beitrag zur österreichischen Geistesgeschichte thematisiert. Gleichzeitig war die Universität auch ein Zentrum des Antisemitismus, was sich heute noch im Siegfriedkopf, der in der Ersten Republik von deutschnationalen Burschenschaften errichtet wurde, manifestiert.
CA-Bankverein:
Das Hauptgebäude jener Bank, die gegenwärtig im Zentrum der Diskussion um arisierte Bankguthaben steht.
Palais Ephrussi:
Ein Beispiel für gründerzeitliches Bauen geadelter jüdischer Familien, die eine wichtige Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Habsburgermonarchie im Prozeß der Industrialisierung spielten.
Palais Lieben-Auspitz:
Die Familie brachte eine große Zahl von Geschäftsleuten, Künstlern, Gelehrten und Politikern hervor. Hier wohnte auch Berta Zuckerkandl, die die von Fanny Arnstein begründete Tradition jüdischer Salons ins 20.Jahrhundert weiterführte.
Burgtheater:
Der Ort großer Erfolge jüdischer Schauspieler wie Adolf von Sonnenthal, aber auch von "Skandalstücken" jüdischer Autoren, wie zum Beispiel Artur Schnitzler. 1988 löste Thomas Bernhards "Heldenplatz" eine Diskussion um Österreichs Umgang mit seiner Vergangenheit aus.
Denkmal der Republik:
Einer der Gründerväter der Republik, Victor Adler verkörpert wie kein anderer das österreichisch-jüdische Schicksal und steht für rund 80 Prozent der sozialdemokratischen Intellektuellen um die Jahrhundertwende.
Palais Epstein:
Um das vom jüdischen Bauherren Josef Ritter von Epstein errichtete Gebäude entspann sich in der letzten Zeit eine lebhafte Diskussion um Notwendigkeit und Nutzen eines Hauses der Geschichte der Republik oder eines Hauses der Toleranz.
Naturhistorisches Museum:
Bis in die 1990er Jahre waren die sterblichen Überreste von Wiener Juden im sogenannten Rassesaal zu sehen, die 1942 vom Währinger Jüdischen Friedhof hierher verbracht wurden.
Kunsthistorisches Museum:
Erst im Juni 1999 wurden die Gemälde aus den arisisierten Sammlungen Alphonse und Louis Rothschilds an die Erben restituiert.
Heldenplatz:
Hier verkündete Adolf Hitler vor tausenden jubelnden Menschen die "Heimkehr Österreichs ins Deutsche Reich". Kurt Waldheim blickte von seinem Amtsräumen auf diesen Platz.
Cafe Griensteidl:
Hier traf sich die Schriftstellergruppe "Jung Wien" die die österreichische Literatur um die Jahrhundertwende zu einer neuen Blüte brachten.
Hofbibliothek:
Ohne die finanzielle Beteiligung der Gebrüder Hirschl wären diese Repräsentationsbauten des barocken Wien nicht entstanden.
Hrdlicka Denkmal:
Mahnmal gegen Krieg und Faschismus. Vor allem der "straßenwaschende Jude" löste einen jahrelangen Diskussionsprozeß aus.
Jüdisches Museum:
Das 1993 im ehemaligen Palais Eskeles eröffnete Jüdische Museum der Stadt Wien steht in der Tradition des ersten Jüdischen Museums in Wien, das 1895 eröffnet wurde und weltweit auch das erste seiner Art war
Petersplatz:
Hier wohnte Samson Wertheimer einer der bekanntesten und einflußreichsten Hofjuden. Er erwarb sich unschätzbare Dienste in den Finanzangelegenheiten für das Kaiserhaus. Gleichzeitig nützte er aber auch seine Stellung um für weniger privilegierte Juden als Fürsprecher aufzutreten.
Judenplatz:
In den letzten Jahren wurde hier die mittelalterliche Synagoge ausgegraben. Die Synagoge war das Zentrum einer blühenden Gemeinde die 1420/21 blutig zerstört wurde. Heute ist der Platz eine der größten Kulturbaustellen Europas. Das Projekt beinhaltet die Errichtung des Mahnmales für die österreichischen Opfer der Shoa der englischen Künstlerin Rachel Whiteread. Die Einrichtung eines musealen Bereiches, der die Überreste der 1421 zerstörten Synagoge zugänglich macht und gleichzeitig ein Bild des mittelalterlichen-jüdischen Lebens in Österreich gibt, sowie einen vom Dokumentationszentrum des österreichischen Widerstands eingerichteten Raum beinhalten wird der sich mit der Shoa auseinandersetzt und Recherchemöglichkeiten zu den 65.000 Opfern bietet.
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Gerhard Milchram, geboren 1962, Schlosserausbildung, mehrjähriger Aufenthalt in Israel, Abendmatura für Berufstätige in Wien, Studium der Geschichte, Publizistik und Kommunikationswissenschaft in Wien, seit 1995 freier Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Juden in Österreich in St. Pölten, seit 1997 Kurator am Jüdischen Museum der Stadt Wien.
Ausstellungen: 1848 Die fatale Revolution, 13. März 1998-3. Mai 1998. Zusammen mit Oz Almog: E.M. Lilien. Jugendstil Zionismus Erotik; 21. Oktober 1998-10. Jänner 1999 in Wien; 21. März 1999-23.Mai 1999 in Braunschweig.
Betreuer des Projektes Judenplatz im Jüdischen Museum.
In Vorbereitung: "Stadtführer Jüdisches Wien" zuammen mit Tina Walzer. |
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| Tina Walzer, geboren in Wien, Studium der Geschichte, Deutschen Philologie und der ungarischen Sprache. Freie Mitarbeiterin am Institut für Geschichte der Juden in Österreich, Forschungsschwerpunkt jüdische Sozial- und Kulturgeschichte im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Außerdem Arbeit in der Provenienzforschung. Publikationen u.a. zu Antisemitismus und Literaturpolitik in Österreich, Familie und Berufsstrukturen der Wiener jüdischen Bevölkerung im 19. Jahrhundert. In Vorbereitung: "Kunstraub und Restitution in Österreich 1938 bis in die Gegenwart" sowie "Stadtführer Jüdisches Wien" zuammen mit Gerhard Milchram. |
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| Michaela Feurstein, geb. 1969 in Innsbruck; aufgewachsen in BregenzStudium Geschichte und Französisch Lehramt. 1988-89 Au Pair in Paris; 1991/92 Fremdsprachenassistentin in Paris. Doktroratsstudium (Inst. f. Zeitgeschichte). Seit 1993 Guide in Jüdischen Museum der Stadt Wien. Seit Jänner 98: Aufbau der Abteilung Kommunikation & Vermittlung. Seit Jänner 99: Fixe Anstellung im Jüdisches Museum. Publikationen u.a.: Feurstein, Michaela/Helsch, Hannah: Juden in Wien, Geschichte und Religion, Materialien für den Unterricht, Wien 1999, 3 Bde. |