Alle Gewaltanwendungen, die eine Gesellschaft verübt, erlebt oder erlitten hat, bleiben im kollektiven ebenso wie im individuellen Gedächtnis erhalten. Sie reproduzieren sich in Form von stereotypen Selbst- und Fremdbildern, Projektionen im Alltag sowie im wissenschaftlichen Diskurs und bilden dadurch einen wesentlichen, oft unbewußten Bestandteil der gesellschaftlichen Kommunikation. Für Europa sind die Ausgrenzung, Beraubung, Vertreibung und Ermordung der Juden, Roma und Sinti sowie anderer verfolgter Gruppen das prägende Ereignis gesellschaftlicher Gewalt dieses Jahrhunderts.
Die dreitägige internationale Konferenz beschäftigt sich mit der nachträglichen Wirksamkeit des Nationalsozialismus und des Holocaust in den heutigen Gesellschaften Europas und im internationalen Vergleich. Thematisiert werden die unterschiedlichen Zugänge der Überlebenden und der Nachkommen von Opfern, Helfern, Zuschauern, Mitläufern, Mittätern und Tätern. Ausgangspunkt bildet dabei der konkrete österreichspezifische Kontext. Der Umgang Österreichs mit seiner NS-Vergangenheit wird mit dem anderer, v.a. europäischer Staaten verglichen und letztlich das Spektrum zu aktuellen Konflikten erweitert.
In Vorträgen, Workshops, Offenen Foren und Projektpräsentationen gelangen unterschiedliche Identitätskonzepte, wirtschaftliche, justizielle und politische Strategien der Nachkriegsstaaten und der gesellschaftliche sowie der familienbiographische Umgang mit den Nachwirkungen des Nationalsozialismus also mit erlebter Geschichte zur Sprache.