Gabriele Rosenthal
9h10 Vortrag 3. September 1999
Transgenerationelle Folgen der Nazi-Verbrechen und ihrer Verleugnung
Töchter, Söhne und auch EnkelInnen leiden erheblich an der Teilnahme ihrer Familienmitgliedern an den Nazi-Verbrechen. Doch es ist nicht nur diese Vergangenheit an sich, die sich belastend auf ihre Biographien auswirkt. Vielmehr verstärkt sich die Last der Vergangenheit durch das massive und aggressvie Verleugnen der miterlebten Verbrechen und durch den Mechanismus der Schuldverschiebung an andere. Ich werde in meinem Vortrag auf diesen für die Nachkommen belastenden Umgang mit der Nazi-Vergangenheit u.a. am Beispiel von BesucherInnen der Wehrmachtsausstellung eingehen.
Gabriele Rosenthal, Dr. rer. soc., Priv.-Doz. geb. 1954 in Schwenningen am Neckar. Studium der Soziologie und Psychologie an der Uni-versität Konstanz. 1980-1985 Wissenschaftliche Mitarbeite-rin an der Freien Universität Berlin, Institut für Soziologie. 1986 Promotion zum Dr. rer. soc, Univ. Bielefeld. 1986-1989 wiss. Assistentin an der Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie. Seit 1989 Gastdozenturen an der Ben Gurion University of the Negev, Beer-Sheva, Israel. 1993 Habilitation in Allgemeiner Soziologie, insbesondere Interpretative Soziologie an der Gesamthochschule Kassel, Fachbereich Sozialwesen. Von 1992 - 1996 wissenschaftliche Leitung eines eines DFG-Forschungsprojektes in Deutschland und Israel zum Thema: "Der Holocaust im Leben von drei Generationen". 1996-1998 Vertretungsprofessur an der Gesamthochschule Kassel für Soziale Therapie. Gegenwärtige Position: Vertretungsprofessur für Soziologie, Universität zu Köln, Seminar für Sozialwissenschaften. Lehr- und Forschungsbereiche: Interpretative Soziologie, Biographieforschung, Qualitative Methoden, Familiensoziologie, Soziale Therapie.

Ausgewählte Publikationen: ”Wenn alles in Scherben fällt...” Von Leben und Sinnwelt der Kriegsgeneration. Opladen (1987). Erlebte und erzählte Lebensgeschichte. Gestalt und Struktur bio-graphischer Selbstbeschreibungen. Frankfurt a. M (1995). Der Holocaust im Leben von drei Generationen. Familien von Überlebenden der Shoah und von Nazi-Tätern. Gießen (1997).