Helga Amesberger und Brigitte Halbmayr
15h30 Projektpräsentation 3. September 1999
Lebenserinnerungen von Überlebenden des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück
Forschungsprojekt „Lebenserinnerungen. Eine Dokumentation über die inhaftierten Österreicherinnen im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück“

Rund 40 Frauen konnten für eine Mitarbeit gewonnen werden. Wobei es sich hier um biographisch-narrative Interviews handelt, durchgeführt nach der Methode von Gabriele Rosenthal. D.h. den Frauen wird Gelegenheit geboten, ihre Lebensgeschichte zu erzählen, ohne Eingreifen der InterviewerInnen, die erst anschließend - aber auch hier wieder erzählgenerierend - Fragen zu einzelnen Themenbereichen stellen. Wichtig ist uns vor allem der Rückblick auf das gesamte Leben, also nicht nur auf die KZ-Zeit, um so auch Sozialisationsbedingungen, Brüche, Widersprüche, Bewältigungsstrategien etc. aufzeigen zu können. Die von uns interviewten Frauen kommen aus unterschiedlichen sozialen Milieus, gehörten unterschiedlichen Opfergruppen an und zeigen auch sehr unterschiedliche Formen des Erinnerns und des Umgangs mit den Erfahrungen der NS-Zeit.

- Fünf der von uns interviewten Frauen sind jüdischer Herkunft. Ein Vergleich dieser aus „rassischen Gründen“ Verfolgten mit etwa „politisch“ Verfolgten - wobei für manche Frauen ja beide Verfolgungsgründe zutrafen - wäre möglich.
- Lebenserinnerungen stehen im Spannungsverhältnis von erlebter und erzählter Lebensgeschichte. Anhand der Biographien der „Ravensbrückerinnen“ wird die ständige Re-Interpretation von Geschichte deutlich. Dies wäre anhand einer hermeneutischen Interpretation einer Lebensgeschichte zu zeigen.
- Das Verhältnis von persönlichem und öffentlichem Erinnern. Hier wäre anhand der Lebensgeschichten der Frage nachzugehen, wieweit persönliches Erinnern von der näheren Umgebung (Interesse/Desinteresse bzw. Wissen/Nicht-Wissen der Familie, Nachbarn und Freunde an bzw. von der KZ-Vergangenheit) wie auch vom gesellschaftlichen Klima abhängig ist.
- Auswirkungen der eigenen Verfolgungsgeschichte auf gegenwärtige Einstellungen zu Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus.

Mag. Helga Amesberger, geboren 1960 in Waizenkirchen/Oberösterreich; Studium der Ethnologie und Soziologie an der Universität Wien, Gründungsmitglied der ARGE Wiener Ethnologinnen, Konzeptualisierung und Organisation mehrerer Symposien; seit 1993 beschäftigt am Institut für Konfliktforschung/Wien als Sozialwissenschafterin. Hauptsächlichen Forschungsgebiete: Rassismus, Rechtsextremismus, Frauenforschung, Grenzraumforschung.
Mag. Brigitte Halbmayr, geboren 1965 in St.Johann/Niederösterreich, Studium der Soziologie und Politikwissenschaft in Wien, seit 1992 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Konfliktforschung; Forschungsschwerpunkte: Rechtsextremismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Frauenforschung, Grenzraumforschung.
H. Amesberger B. Halbmayr